Priester Alexander Prengel wurde im August 2017 als Vorsteher für die Gemeinde Borbeck beauftragt. Im ersten Teil eines Interviews mit der Internetredaktion berichtet er über seine Motivation, diese Beauftragung anzunehmen, und die damit verbundenen Herausforderungen.
Alexander, seit gut einem Jahr sind Sie Gemeindevorsteher von Essen-Borbeck. Um es vorweg zu nehmen: Sie waren gerade 28 Jahre alt, drei Jahre verheiratet, hatten zuvor Ihre Ausbildung beendet und neben dem Beruf ein Studium begonnen. Zur Arbeit müssen Sie täglich zwischen Essen und Düsseldorf pendeln. Außerdem hatten Sie gerade einen Wohnungswechsel hinter sich gebracht. Für die Gemeinde Rellinghausen waren Sie wenige Monate zuvor zum Priester ordiniert worden und hatten bis zu Ihrer Beauftragung als Gemeindevorsteher gerade mal sechs Gottesdienste gehalten. Können Sie sich noch an Ihre erste Reaktion erinnern, als Ihnen gesagt wurde: „Sie sind als Vorsteher für die Gemeinde Borbeck erbeten worden.“
Mein erster Gedanke war: „ Warum ich? Das kann doch nicht sein!“
Auch in unserer Kirche macht sich eine Konsumhaltung bemerkbar. Es wird in der heutigen Zeit immer schwieriger, Glaubensgeschwister zu motivieren, eine ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeinde zu übernehmen. Was war Ihre Motivation, „Ja“ zu Ihrer Aufgabe als Vorsteher zu sagen?
Letztlich muss die Motivation immer aus dem Inneren heraus kommen. Das gilt sowohl für mich selbst als auch für die Glaubensschwestern und -brüder, die sich in der Kirche engagieren. Als Vorsteher kann ich gar nicht alle Seelsorger, Sänger, Dirigenten, Organisten, Lehrkräfte, Grünpfleger usw. immer wieder neu motivieren. Ich kann nur versuchen, Impulse zu geben und zu unterstützen, wo es mir möglich ist, und so zumindest versuchen, Freude und Gemeinschaft zu ermöglichen. Die Motivation, einer Gemeinde als Seelsorger und administratives „Mädchen für alles“ vorzustehen, kommt für mich daher ausschließlich aus dem Glauben. Gott gibt mir die Kraft und seine Gnade, um diese Aufgabe zu erfüllen. Nach ausreichender Bedenkzeit und einigem Ringen konnte ich daher in der Überzeugung, dass Gott keinen Fehler macht, zusagen.
Jeder Amtsträger fragt sich in einer schwachen Stunde einmal „Warum mache ich das überhaupt?“ Was treibt Sie an, weiter zu machen?
Auch hier hilft, wie bereits erwähnt, das Bewusstsein, dass Gott da ist. Ihm zur Ehre soll die Aufgabe nach bestem Können und Gewissen ausgefüllt werden. Wenn dann aber Widerstände im Wege stehen, wenn Enttäuschungen erlebt werden, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen, dann nehme ich mir oft die Zeit, mich bewusst an positive Dinge zu erinnern. An Glaubenserlebnisse, an Begegnungen mit Glaubensbrüdern und -schwestern, oder ich suche das Gespräch mit anderen Seelsorgern oder mit meinen Vorangängern. Das macht mir Mut.
Die Gemeinde Borbeck gehört mit über 300 Kirchenmitgliedern zu den größten neuapostolischen Gemeinden auf Essener Stadtgebiet. Was ist für Sie die größte organisatorische Herausforderung?
Am Anfang war einfach alles eine Herausforderung für mich. Schließlich war dies die erste Führungsaufgabe für mich überhaupt. Am meinem ersten Sonntag gab es einen Brunch nach dem Gottesdienst, und ich wurde von den Geschwistern herzlich empfangen und willkommen geheißen. Mir wurden aber auch direkt Bitten und Probleme vorgestellt. Das kleinste Problem war da noch, dass der Vorrat an Papierhandtüchern zur Neige ging und dass ich als Vorsteher diese in Rüttenscheid besorgen sollte.
Die größte organisatorische Herausforderung ist aus meiner Sicht, der Seelsorge ausreichend Raum bieten zu können. Das gilt für mich ganz persönlich, aber auch für die Seelsorger in der Gemeinde. Wir sind alle ehrenamtlich tätig und müssen Beruf, Familie, Kirche und Selbstverwirklichung unter einen Hut bekommen. Jeder, der schon mal eine Feier oder ein größeres Fest geplant hat, weiß, wie schwierig es ist, die Organisation zu regeln und nebenbei nicht andere wichtige Aufgaben zu vernachlässigen. Dies darf mit der Seelsorge nicht geschehen. Leider sind viele Aufgaben als Gemeindevorsteher rein administrativer Art. Hinzu kommen natürlich die Gottesdienste und die Veranstaltungen der einzelnen Gruppen. Die seelsorgerischen Tätigkeiten, seien es Familienbesuche, Krankenbesuche oder Kondolenzbesuche, müssen daher oft um die anderen, bereits vorgegebenen Termine herum geplant werden. Nicht immer lässt sich daher die Seelsorge so in den Vordergrund rücken, wie wir als Seelsorger es uns wünschen würden.
Eine Gemeinde besteht aus Kindern, Senioren und natürlich dem sogenannten „Mittelalter“. Außerdem gibt es Gesunde und Kranke. Und nicht zuletzt ist man erster Ansprechpartner für die Amtsträger der Gemeinde. Wie halten Sie die Balance, um für alle gleichermaßen ein kompetenter Ansprechpartner zu sein?
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich das überhaupt erfülle. Mir ist wichtig, dass ein jedes Gemeindemitglied den Gemeindevorsteher als Ansprechpartner wahrnimmt. Hier versuche ich, zu unterscheiden zwischen dem priesterlichen Amt als Seelsorger und der Beauftragung als Vorsteher. Als Seelsorger muss man vor allem zuhören, sich in sein Gegenüber hineinversetzen und sich von Gott leiten lassen. Als Vorsteher hingegen muss man Entscheidungen herbeiführen, Dinge regeln, Papierkram erledigen usw. Diese Aufgabe sehe ich daher emotionsloser, als etwas, was auch gemacht werden muss. Daher kann man viele Aufgaben je nach entsprechendem Fachgebiet an wesentlich kompetentere Gemeindemitglieder delegieren, die dann natürlich auch Ansprechpartner für die Gemeinde auf dem diesem Fachgebiet sind.
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