Der erste ökumenische Bibliolog auf der Ruhrhalbinsel in Essen fand am Donnerstagabend, dem 27. Juni 2024 statt. Die drei christlichen Gemeinden aus dem Stadtteil Überruhr boten erstmalig dieses Format der Bibelarbeit an.
"Wie es mit Dingen so ist, die neu und unbekannt sind, sie werden oft mit Skepsis betrachtet.", so Priester Holger Zepper, der den ersten Bibliolog in Überruhr auf den Weg brachte. "Das Lesen in der Bibel und die Auseinandersetzung mit Texten, Gleichnissen und Begebenheiten aus der Heiligen Schrift sollte für jeden aktiven Christen keine Seltenheit sein. Aber Hand auf´s Herz - oft ist dem doch so." ist auch Priester Zepper bewusst. Und warum blättert man so ungern in der Bibel? Weil oft die Sprache und die Ausdrucksweise kompliziert ist und man schnell die Motivation verliert. "Aber was wäre, wenn eine biblische Begebenheit auf solch eine Art und Weise erzählt wird, dass ich mich plötzlich in dieser Geschichte wiederfinde? Wenn ich in die Rolle einer biblischen Gestalt schlüpfe, die Geschichte dann plötzlich an einer Stelle stoppt, und ich meine Gedanken und Empfindungen zum Ausdruck bringen kann." erläutert der Priester das Konzept des Bibliologs.
Keine Ahnung? Nicht schlimm!
„Das tolle an einem Bibliolog ist, dass ich überhaupt keine Vorkenntnisse brauche und auch kein fundiertes Bibelwissen haben muss“, resümierte Fabian Miroschnik, der mit seinem Freund aus Dortmund angereist war. Ralf Andrae, der aus der im Essener Norden gelegenen Gemeinde Altenessen gekommen war, fand es schön, dass es bei diesem Format keine falschen oder richtigen Antworten geben kann. „Was hier ausgesprochen wird, sind Empfindungen und Gedanken, weil man ja in die Rolle der biblischen Person schlüpft. Gefühle und Emotionen können nicht falsch sein“, so der Diakon.
Damit die Gruppe sich überhaupt auf das Format Bibliolog einlassen kann, braucht es einen erfahrenen Moderator. Dieser ist Gerald Kunde, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde Essen-Mitte, der es schon in der Einleitungsphase schaffte, die Beteiligten weit zurück in die Zeit zu versetzten, als Jakob und Esau lebten. So erzählte Gerald Kunde die Begebenheit der beiden Brüder derart, dass man sich gedanklich gut in dieses ferne Land in dieser längst vergangenen Zeit zurückversetzen konnte.
Und plötzlich war ich Jakob
Dann kam der Teil des Dialogs bei einem Bibliolog, und die Teilnehmenden können, müssen aber nicht, auf eine Frage antworten, die der Moderator aus Sicht der biblischen Person stellt. „Du bist Jakob! Jakob, was denkst du, was fühlst du, als du die Nachricht erhalten hast, dass dein Bruder Esau dir mit 400 Mann entgegenkommt?“ so eine Frage des Moderators Gerald Kunde an diesem Abend. Und viele Teilnehmende äußerten sich, und die Gruppe bemerkte plötzlich: "So habe ich das noch gar nicht gesehen." Oder: "Das ist aber ein guter Gedanke." Wieder einer fand sich vielleicht in dieser Situation wieder, weil das Geschehen in die aktuelle Lebenssituation passte.
Und so navigiert der Moderator die Teilnehmenden in den weißen Raum zwischen den schwarzen Buchstaben. Den Raum, der Platz lässt für Interpretationen und Auslegungen, persönliche Ansichten oder doch Gedanken inspiriert durch den Heiligen Geist?
So blieb am Ende ein sehr positives Fazit der Aktiven und die Einsicht, dass die Skepsis gegenüber dem noch recht neuen Format nicht berechtigt war. Aber dies sind persönliche Empfindungen einzelner Personen. Wer neugierig geworden ist und auch einmal an einem Bibliolog teilnehmen möchte, der muss die Augen aufhalten, denn diese Art der Bibelkunde ist langsam auf dem Vormarsch. Und in Überruhr ist für die zweite Jahreshälfte schon ein zweiter Termin in Planung.
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