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Ein „waschechter“ Überruhrer

 

Priester Ralf Schönert aus der Gemeinde Überruhr wurde am 8. August 2018 von Bezirksapostel Rainer Storck beauftragt, seine Heimatgemeinde als Vorsteher zu leiten.

Der 56-jährige Überruhrer entlastet somit Priester Markus Langendorf, der fast ein Jahr lang neben der Gemeinde Kupferdreh auch die Gemeinde Überruhr betreut hat. Im Interview mit Holger Zepper berichtet er unter anderem über seine Gedanken zur Beauftragung als Gemeindevorsteher und seine Ideen für die Gemeinde Überruhr.

Priester Schönert, hast du dich schon daran gewöhnt, dass nun alle „Vorsteher“ zu dir sagen?
Na ja, die Anrede ist immer noch etwas ungewohnt. Aber ich blicke mittlerweile nicht mehr suchend umher, wer da wohl gemeint sein könnte.    

Du bist ein waschechter Überruhrer. Unweit des heutigen Kirchengebäudes aufgewachsen und bis heute der Gemeinde treu geblieben. Macht das die Beauftragung als Gemeindevorsteher einfacher?
Aus meiner Sicht schon, da ich die Gemeinde mit ihrer Geschichte sehr gut kenne und auch unsere Glaubensgeschwister zum Teil schon sehr lange seelsorgerisch begleite. Einige Glaubensgeschwister durfte ich bereits als Sonntagschul- und Religionslehrer sowie Jugendleiter betreuen. Dadurch haben sich sehr schöne Beziehungen und Verbindungen entwickelt.

Lass uns kurz auf den 8. August 2018 zurückblicken, als Bezirksapostel Rainer Storck bei Deiner Beauftragung als Gemeindevorsteher alle Mitglieder der Gemeinde an dein Herz band. Die Traurigen, die Fröhlichen, die Verzweifelten, die Verlorenen in deiner Gemeinde. Eine höchst verantwortungsvolle Aufgabe, der du zugestimmt hast. Was stimmt dich so positiv, dass du das packst?
Da ist zum einen der besondere Moment der Beauftragung vor dem Altar, ein Gefühl der Nähe und Macht Gottes, welches ich hier nicht ansatzweise beschreiben kann. Dann der Zuspruch und die vielen Segenswünsche der Glaubensgeschwister, und das nicht nur aus unserer Gemeinde, sondern aus dem gesamten Bezirk und darüber hinaus.  Außerdem die uneingeschränkte Zustimmung der Überruhrer Amtsbrüder sowie das Vertrauen und die Unterstützung insbesondere der Bezirksämter. Und dazu kommt die Unterstützung meiner Frau.

Das Kirchengebäude Überruhr wurde jüngst fit für die Zukunft gemacht. 18 junge Christen unter 14 Jahren besuchen regelmäßig die Gottesdienste. Dennoch kommt auch Überruhr an einer gemeinsamen Gestaltung mancher Gottesdienste mit anderen Gemeinden nicht vorbei. Mittwochs finden die Gottesdienste beispielsweise zusammen mit der Gemeinde Kupferdreh statt. Hast du einen Plan, Deine Gemeinde bezogen auf die anstehenden Jahre lebendig zu halten?
Einen Masterplan oder ein Patentrezept gibt es nicht, aber eine klare Vorstellung. Wir haben im Kreis der Seelsorger etliche Punkte erarbeitet, um die Gemeinde Überruhr attraktiv zu gestalten. Wir sind nach unserem Umbau in Bezug auf unser Kirchengebäude barrierefrei. Diese Barrierefreiheit soll sich auch in den Herzen und Seelen der Glaubensgeschwister wiederfinden. Ich wünsche mir Akzeptanz  und Toleranz untereinander. Damit das gelingt, müssen wir uns viel mehr miteinander austauschen. Wir möchten daher eine offene Gesprächskultur in der Gemeinde etablieren. Dazu gehören zusätzliche Gemeindeaktivitäten wie Gesprächsangebote zu kirchlichen Themen, aber auch gemeinschaftsfördernde Maßnahmen wie Spielenachmittage für Jung und Alt, Wanderungen und Spaziergänge oder Laternenbasteln zu St. Martin. Hier bietet sich dann auch die Möglichkeit, mit Freunden und Gästen leichter in Kontakt zu treten und zu bleiben. Auch das aktive Einbinden der vielen Kinder in den  Familiengottesdienst ist ein wichtiger Baustein. Und Kooperationen mit anderen Gemeinden sind für mich bereichernd und positiv.  

Lass uns mal einen kurzen Blick in dein Privatleben werfen. Du hast drei erwachsene Kinder und drei Enkelkinder. Durch die Vorsteherbeauftragung wird es bestimmt nicht einfacher, Zeit mit Deiner Familie zu verbringen?
Natürlich ist es nicht so leicht, die zeitlichen Anforderungen an Arbeit, Familie, Kirche und die ganz persönlichen Dinge in Einklang zu bringen. Aber das war auch vor dem 8. August schon so. Wie viele Glaubensgeschwister und Amtsbrüder habe ich immer versucht, mich bestmöglich in den Dienst des Herrn zustellen. Nur die Aufgaben haben sich jetzt geändert. Aber die Zeit mit den Kindern und Enkelkindern ist mir schon wichtig. Und es gelingt mir sogar, die Enkelkinder hin und wieder vom Kindergarten abzuholen oder als Babysitter zu fungieren. Und Zeit mit meinen Kindern zu verbringen, genieße ich sehr.

Letzte Frage an den radsportbegeisterten Priester Schönert: Wann hast du zuletzt auf deinem Rennrad gesessen und Gottes Schöpfung hautnah erlebt?
Dank des guten Wetters bis in den Herbst hinein hatte ich fast jede Woche mindestens einmal die Gelegenheit, mit dem Rad ins Büro nach Düsseldorf zufahren. Außerdem geht eine kleine Runde um den Baldeneysee fast immer. Und für 2019 habe ich mit Freunden die Überquerung der Alpen von Garmisch zum Gardasee geplant.

23. November 2018
Text: Ralf Schönert, Holger Zepper
Fotos: privat

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