Der Zustrom an Flüchtlingen sorgt derzeit für große Herausforderungen für unsere Gesellschaft, ruft aber auch eine Welle der Hilfsbereitschaft hervor. Wie sich der Bezirk Essen hier einbringen will, hat Bezirksältester Martin Hoyer im Interview mit Holger Zepper erläutert.
Redaktion: Lieber Bezirksälteste, ein Thema hat Deutschland zur Zeit fest im Griff, welches auch an den Religionsgemeinschaften des Landes nicht vorüber gehen kann – die Flüchtlingshilfe. Wie gehen Sie als Bezirksvorsteher der zwölf Essener Gemeinden mit diesem Thema um?
Martin Hoyer: Dieses Thema beschäftigt mich sehr. Bitte, ich möchte eines am Anfang ganz klar stellen: Es geht hier nicht darum, eine Aktion auf die Beine zu stellen und zu sagen: „Guckt mal hier, wir neuapostolischen Christen machen auch etwas“. Nein, das Bedürfnis, hilfesuchende Menschen zu unterstützen, ist die treibende Kraft.
Radaktion: Hat Bezirksapostel Rainer Storck in seinem Schreiben an die Kirchenmitglieder nicht einen Weg der Hilfeleistung aufgezeigt?
Martin Hoyer: Ja, das hat er und dafür bin ich dankbar. Er hat in seinem Schreiben empfohlen, die örtlichen Einrichtungen zu unterstützen, welche die Flüchtlingshilfe koordinieren. Und genau da möchte ich nun ansetzen.
Redaktion: Wie soll das gehen? In den Medien liest man, dass Helfer am Eingang der Flüchtlingsunterkünfte abgewiesen werden. Die Kleiderkammern sind voll…
Martin Hoyer: Und genau das gilt es zu verhindern! Wir wollen abgesprochen mit den Hilfsorganisationen und Koordinationsstellen konkret umrissene Aufgaben übernehmen und zielgerichtete Unterstützung leisten. Dazu haben wir bereits Kontakt zu einer Koordinationsstelle für ehrenamtliche Hilfe aufgenommen. Ich hoffe, dass wir kurzfristig erste Aufgabenstellungen erhalten werden. Dies machen wir, um jedem Mitglied der zwölf Essener Gemeinden, das sich engagieren möchte, eine konkrete Aufgabe der Hilfe anzubieten.
Redaktion: OK, wie ist nun Ihr Plan?
Martin Hoyer: Wir haben bereits zwei Mitglieder des Bezirks, die Kontakt zu den behördlichen Stellen aufgenommen haben. Ich möchte dann kurzfristig eine Projektgruppe zusammenstellen, die unsererseits die freiwilligen Mitarbeiter aus dem Bezirk Essen mit allen notwendigen Informationen versorgt und die Hilfeleistung organisiert. Dazu wird kurzfristig ein Helferaufruf im Bezirk in allen Gemeinden erfolgen.
Redaktion: Und was machen Sie, wenn sich kaum Helfer finden werden?
Martin Hoyer: Wer nichts wagt, der nicht gewinnt! Oder? Wenn wir nichts tun, haben wir schon verloren! Aber so negativ möchte ich nicht denken. Wir haben viel Potential in den Gemeinden. Aufgrund der vielen Gespräche über dieses Themas gehe ich sehr positiv an die Sache und bin voller Zuversicht, dass auch unsere Glaubensgemeinschaft ihren Teil dazu beitragen kann, die Not unserer Mitmenschen ein wenig zu lindern. Wenn wir es schaffen, den Flüchtlingen ein wenig die Langeweile in den Lagern zu vertreiben oder durch gezielte Unterstützung helfend beiseite zu stehen, dann ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Redaktion: In unmittelbarer Nähe unseres Kirchengebäudes in Steele wird zeitnah auf einem Sportplatz eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Wie gehen Sie damit um?
Martin Hoyer: In diesem Fall bin ich sehr dankbar für den Einsatz des dortigen Gemeindevorstehers! Genau dort setzen wir aktuell an. Dort laufen bereits die ersten konkreten Gespräche. Was sich daraus ergibt, werden wir sehen. Auf jeden Fall werden wir etwas bewegen.
Redaktion: Lieber Bezirksälteste, haben Sie Dank für den Einblick in das, was uns Christen und Bürger der Stadt zur Zeit so beschäftigt. Das gesamte Redaktionsteam steht Ihnen gerne zur Seite, wenn es um die Publikation in dieser Krisenzeit geht!
Das Interview führte Holger Zepper
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